Das Geltungsbedürfnis des Menschen
8. Juli 2020

Oder einfach höher, schneller, weiter.

Erfolge feiern, etwas besonderes sein. Extravagant, extrovertiert oder gar exotisch.

Mehr oder weniger ausgeprägt hat jeder Mensch den Drang und den Wunsch, von sich und seinen Erfolgen, egal ob persönlicher, beruflicher oder öffentlicher Natur, zu berichten. Sich in ein gewisses Rampenlicht zu stellen und dabei möglichst viele Zuhörer und Bewunderer an sich zu ziehen.

Es steigert unseren Selbstwert. Zumindest für den Augenblick. Den jeder Bericht, jedes Erscheinen, jede Tat hat nur Gewicht, solange nichts Neues dazu kommt. Keiner besser ist, mehr leistet, mehr kann. Schöner, schlauer, stärker ist.

Und insgeheim gleicht es einer Sucht. Immer mehr muss erreicht werden. Immer höhere Ziele werden gesteckt. Ein immer währender Konkurrenzkampf mit unzähligen Fremden und unsichtbaren Kontrahenten.

Kein Miteinander mehr. Kein großes Ganzes. Kein echter Teil der Gesellschaft. Nur purer Egoismus und ein zur Schau stellen der eigenen und oft nur vorgetäuschten Großartigkeit.

Ob im privaten Bereich, auf Sozial Media oder im Beruf. Erfolge jeglicher Art, Wissen und Können sind es, die Aufmerksamkeit erregen. Alles Besondere, alles vorher nicht Dagewesene. Aber auch jegliche Sensation, positiver als auch negativer Natur. Wer etwas erlebt kann mithalten und berichten. Wer betroffen ist spricht aus Erfahrung. Wer leistet und dient erfüllt einen Zweck. Der Mensch in seinem einfachen Sein zählt nicht. Zu unscheinbar. Zu uninteressant. Nicht spektakulär.

Erfahrungen und Wissen verhelfen zu Kommunikation und garantieren, zumindest für den Moment, Zuhörer jeglicher Couleur. Wer nur er selbst ist, erscheint langweilig. Und wer schweigt, dem kann man nicht zuhören. Wer still und bescheiden ist, ist nicht von Interesse. Wer hingegen viel zu sagen hat, dem wird naturgemäß auch zugehört. Wer etwas zeigt, präsentiert, erzählt, dem ist Publikum garantiert. Wahrscheinlich auch eine Art von Geben und Nehmen.

So funktioniert unser soziales Dasein. Ich erzähle und du hörst zu. Ich gebe und du nimmst an. Durch Reaktionen wird so ein Gespräch am Laufen gehalten. Eine Aktion weitergeführt. Eine Situation, ein Zustand am Laufen gehalten. Triumph ist dabei das Zauberwort.

Ob sich die Gesprächspartner dabei gegenseiten überbieten, oder ihre Meinung durchsetzen wollen, spielt weniger eine Rolle. Fakt bleibt, Die meisten möchten als Gewinner aus einer Situation hervorgehen und tun alles dafür ihr eigenes Ich zu belügen nur um am Ende Lorbeeren zu Ernten.

Der Mensch hat verlernt einfach nur zu sein. Er hat Angst davor einfach selbst zu sein und flüchtet in virtuelle und irreale Welten.

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