Für das Gemeinwohl funktionieren
6. April 2021

Innere Freiheit hört da auf, wo Verantwortung für die Gesellschaft beginnt. Jeder einzelne wird so zu einem unscheinbaren und namenlosen Teil einer riesigen Maschinerie. Ohne individuelle Ansprüche und Belange. Lediglich ein Roboter für die Allgemeinheit, ohne jegliche eigene Gefühle.

Gesellschaft funktioniert nur, wenn der einzelne sich selbst aufgibt. Das eigene Ich ist unbedeutend für die Masse. Nicht hilfreich, nicht förderlich. Nur wer funktioniert treibt die Gesellschaft und damit das Gemeinwohl an.

Ein winziger Punkt nur. Ohne Rechte. Kein Recht auf Sein. Kein Recht auf Gefühle. Kein Recht auf Liebe. Nur angepasstes dahinvegetieren.

Der Mensch hat das Problem, dass er fühlt und denkt. Zwei Eigenschaften, die viel zu individuell sind. Denken und Fühlen hindern den Menschen am eigenen Wesen. Das Erlernte steht im Vordergrund.

Wieder ist es die Oberfläche die siegt. Höher, schneller, weiter. Immer schön Lächeln und niemals Tiefe preisgeben. Tiefe macht verletzlich und Verletzlichkeit gilt als schwach und unattraktiv. An der Oberfläche jedoch liegt die schnelle Schönheit. Die angepasste und gesellschaftlich akzeptable Norm, mit der der Mensch gelernt hat umzugehen. Die Einfachheit des Kollektivs. Worte werden zu Phrasen, Gefühle verkommen zu Riten und die Masse verschmilzt zu einem großen Ganzen, in dem das wahre Wesen, das tiefe Sein an Bedeutung verliert und nicht mehr wahrgenommen und erwünscht wird.

Wundert es da, wenn Gefühle umschlagen? Wenn Gleichgültigkeit anderen gegenüber zunimmt und Verzweiflung zu Gewalt führt? Der Mensch, der individuell nicht wahrgenommen wird, hat auch keine Chance an der Oberfläche der Gesellschaft zu überleben.

Welche Wahl bleibt da noch? Aufgeben zu kämpfen. Seinen eigenen Individualismus begraben für das Gemeinwohl aller anderen. Kein Fühlen, kein Denken. Sich selbst ausschalten, um der Gesellschaft zu dienen. Ich persönlich kann keine Erfüllung im Dienst an der Gesellschaft finden und gleichzeitig in mir selbst ruhen. Das wiederum lässt mich unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass in unserem Dasein in irgendeiner Form etwas schief läuft.

Es reicht eben nicht, man selbst zu sein. Authentizität ist schön und gut, doch sobald es um das Wohl der Fremden um einen herum geht, ist auch die eigene Authentizität nicht mehr gefragt. Eine Erkenntnis, die mich schwer trifft. Also weiter ein Spiel spielen, welches nur aus Fassade besteht. Dieses Spiel, dass jeder nur erlernt hat und das niemals den wahren Menschen hinter seiner Maske offenbart.

Das ist sie wieder, die Angst vieler Menschen vor dem eigenen Ich. Die Angst erkannt zu werden. Verletzlich zu sein. Wer sich selbst offenbart, der verlässt die sicheren Wege die ihn bislang geschützt haben.

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