Lügen
19. August 2021

„Lügen haben kurze Beine“. Denkste. Das war früher vielleicht mal so. Heute lügen die meisten Menschen permanent. Sie erzählen Geschichten und täuschen falsche Tatsachen vor. Und das Erstaunliche daran ist, sie kommen sogar durch damit.

Lügen sind längst salonfähig geworden. Ob Politik, Nachrichten oder Fernsehshows. Ob im Job, in der Schule oder privat. Es wird gelogen und geheuchelt was das Zeug hält. Hauptsache man steht gut da. Der Wahrheit muss das Erzählte gar nicht entsprechen.

Es ist unfassbar, dass Ehrlichkeit zu einer unbrauchbaren und nicht länger geschätzten Tugend verkommen ist. Und mittlerweile Lügen tatsächlich mehr geschätzt werden, wie die eigentliche Wahrheit. Warum mag das so sein?

Weil der Mensch verlernt hat echt zu sein, in sich hinein zu hören und inne zu halten. Der Mensch besteht nur noch aus Fassade. Und er hat Angst vor sich selbst. Vor dem, was da zum Vorschein kommen könnte, wenn er die Wahrheit aus sich heraus und im Gegenzug die Wirklichkeit an sich heran lässt.

Der Mensch möchte in seinen eigenen Illusionen leben. In einem Traumleben. Er möchte Anerkennung und Bewunderung und dafür trickst er und täuscht anderen etwas vor. Bedient sich der Leistung und dem Können dritter und gibt Taten und Worte als seine eigenen an. Er gibt vor, jemand zu sein, der er in Wahrheit gar nicht ist. Etwas zu können, was er in der Realität gar nicht hinbekommt.

Doch Bilder und Erzählungen, Interviews und Geschichten werden nicht hinterfragt, sondern kommentarlos und bewundernd hingenommen. Nachfragen stören nur und niemand möchte ein Störenfried sein. Der Lügner bekommt so seine Plattform, auf der er sich stetig weiter präsentieren kann.

Doch warum lassen wir offensichtliche Lügen überhaupt zu? Logisch. Wir wollen keinen Ärger. Wollen kein Querulant sein. Nicht ausgeschlossen werden und durch unser Nachfragen auffallen. Wer es dennoch tut gilt als Besserwisser, einer, der dem anderen nichts gönnt oder wird als neidisch abgetan.

Wir akzeptieren Lügen von jenen Menschen, die wir mögen, die uns am Herzen liegen und mit denen wir uns identifizieren können. Die Lüge, an die wir selbst glauben möchten, die nehmen wir einfach hin und spielen das Lügenspiel mit.

Besonders gut zu beobachten ist das aktuell im Wahlkampf. Wer gegen Partei XY ist, deckt deren Unwahrheiten auf. Wer für Partei YZ ist, der nimmt alles als Gegeben und ohne Nachfrage hin.

Fazit: Lügen sind eine Art gemeinschaftliches Einverständnis, in dem es lediglich darum geht, mit wessen Lüge der Einzelne sich besser identifizieren kann.

Denn wie heißt es so schön? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Letztlich steckt hinter jeder Lüge, jeder Täuschung und allem Unechten nur die eigene Angst. Die Angst, sich zu öffnen und ehrlich zu sein. Und das wiederum bedeutet seine Schwächen zu offenbaren. Doch genau damit macht der Mensch sich selbst verletzlich und das macht ihm Angst. Ein Teufelskreis.

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